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Detmar Doering: Traktat über Freiheit

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Freiheit: Selbstzweck oder Instrument?

Detmar Doering, der Leiter des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung in Potsdam, hat eine umfassende Analyse der Freiheit und der Probleme freiheitlicher Gesellschaften vorgelegt. Sein Buch ist in fünf Teile gegliedert, wobei der erste Teil den philosophischen Hintergrund freiheitlichen Denkens in der westlichen Zivilisation skizziert, der zweite die Kompatibilität von Staat oder Demokratie und Freiheit analysiert, der dritte Spezialprobleme – vom Eigentum über die Meinungsfreiheit bis zum Freihandel – betrachtet, der vierte Verantwortung und Gemeinsinn als Kehrseite oder Ergänzungen der Freiheit diskutiert und der letzte einen Ausblick auf die aktuellen Herausforderungen für die Verteidiger der Freiheit bietet. Das Buch – wie das westliche Freiheitsdenken überhaupt – bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen der Auffassung von Freiheit als Selbstzweck und Freiheit als Mittel zum Zweck, beispielsweise zur Wohlstandssteigerung.

Mit einem Tocqueville-Zitat bekennt sich Doering gleich in den ersten Zeilen des Buches zur Freiheit als Selbstzweck. Aber große Teile des Buches wollen den Leser davon überzeugen, dass man in freiheitlichen Gesellschaften besser als anderswo leben kann. Das ist kein Widerspruch, denn Letztbegründungen der Forderung nach Freiheit – wie etwa im Naturrecht gedacht – lehnt Doering als unhaltbar ab. Damit kann man sich zwar noch zur Freiheit als Selbstzweck bekennen, aber das Bedürfnis nach langatmigen Rechtfertigungen schrumpft. Was bleibt sind Überlegungen, die vor allem Freiheit von Gewalt und Zwang hervorheben, die Abwehrrechte des Individuums gegenüber dem Staat betonen und nicht etwa Anspruchsrechte, die notwendigerweise die Einschränkung der Abwehrrechte voraussetzen, um dem Staat die Mittel zur Anspruchsbefriedigung zu geben. Zwar sieht Doering keine Rechtfertigung für die Forderung nach Freiheit, aber er postuliert, dass die Beweislast immer denen zugemutet werden sollte, die die Freiheit beschränken wollen. An dieser Stelle greift Doering Hayek auf, nach dessen Auffassung freie Gesellschaften das auf Millionen Köpfe zerstreute Wissen besser als unfreie nutzen und deshalb auch wohlhabender als diese sind.

Im Staat sieht Doering gleichzeitig einen Garanten von Recht und Freiheit und eine permanente Gefahr für die Freiheit. Mit zwischenstaatlichem Wettbewerb, Gewaltenteilung und Föderalismus verbindet er die Hoffnung auf Zähmung des Staates. Bei der Demokratie ist er ambivalent. Einerseits erlaubt sie den friedlichen Machtwechsel und Korrekturen, andererseits führen die Ansprüche von Verteilungskoalitionen immer wieder zu Einschränkungen der Freiheit. Im ersten und dritten Teil verbindet Doering die Freiheit mit dem Eigentum, wobei die Vorstellung des Selbsteigentums und daraus ableitbare Rechte von besonderer Bedeutung sind. Zur Freiheit gehören ganz offensichtlich die Meinungsfreiheit und der Verzicht auf eine Begründungspflicht für Meinungen. Beschränkungen des Rechts auf Irrtum oder großen Rücksichten gegenüber den Gefühlen von Gläubigen steht er skeptisch gegenüber. Ganz im Sinne Hayeks sieht auch Doering in der individuellen Verantwortung für eigenes Handeln die notwendige Ergänzung der Freiheit und in der Forderung nach unklar definierter sozialer Gerechtigkeit eine Gefährdung der Freiheit.

Wie soll man das Buch bewerten? Es ist gut lesbar. Es informiert umfassend: von der angelsächsischen Philosophie bis hin zur österreichischen Ökonomik. Natürlich kann man immer Lücken finden. Man hätte beispielsweise die Ideen der Public-Choice-Schule und die systematische Theorie des Staatsversagens stärker hervorheben können. Ich hätte mir auch eine offensivere Verteidigung des Eigennutzes gewünscht, weil die Forderung nach Altruismus eher Heuchelei als bessere Menschen erzeugt. Jedenfalls kann man sich bei der Lektüre dieses Buches gut mit den Grundlagen des liberalen Weltbildes auseinandersetzen.

ERICH WEEDE

Detmar Doering: Traktat über Freiheit. Olzog, München 2009, 288 Seiten, 24,90 Euro.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 13. Januar 2010 um 18:06 Uhr  

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