Brevier mit Bravour
Edmund Burke - ein Meisterdenker der Freiheitsphilosophie
Hardy Bouillon - Detmar Doering hat sein Burke-Brevier mit Bravour gemeistert, er zählt zu den wenigen Burke-Kennern in Deutschland. Dort, und in der Schweiz, ist Burke nur wenigen bekannt, in Grossbritannien gehört er zu den Klassikern. Die Hayek-Gesellschaft hat mit der Aufnahme Burkes in die Reihe der Meisterdenker der Freiheitsphilosophie einen grossen Liberalen geehrt. Auch das Brevier gereicht ihm zur Ehre. Doering präsentiert nicht nur eine Auswahl von Burkes Einsichten, sondern er hat auch einige davon erstmals übersetzt und Zitate von Zeitgenossen hinzugefügt, die die allseits behegte Hochachtung für Burke belegen.
Wie alle Klassischen Liberalen sah auch Burke das Problem der Freiheit in ihrer Begrenzung. Er glaubte nicht, dass ein scharfes Kriterium die Grenze ermitteln könne, sondern dass die Politik es auszuloten habe. Mit der Politik seiner Zeit war Burke eng verknüpft. Manche betrachteten ihn als Günstling, was ihn offensichtlich derart in Bedrängnis brachte, dass er sich zu einer ausschweifenden Selbstverteidigung genötigt sah (Letter to a Noble Lord, 1796). Burke war ein Patriot, aber ein kritischer. Einerseits war er stolz auf die Geschichte und die Verfassung des Landes, andererseits war er für die Freigabe Amerikas. Frankreich und die Revolution, das war für Burke der falsche Weg zur Freiheit. Er war überhaupt nicht skeptisch gegenüber der Demokratie: "Ist denn die reine Demokratie so ganz unbezweifelt und entschieden die einzig schickliche Form, die man der bürgerlichen Gesellschaft geben kann, dass man sich nicht den geringsten Skrupel über ihre Vollkommenheit und allgemeine Tauglichkeit erlauben darf, ohne für einen Freund der Tyrannei, das heißt für einen Feind des menschlichen Geschlechts gehalten zu werden?"
Burke glaubte an eine "echte natürliche Aristokratie", allerdings eine, die keine koloniale Willkür dulden solle. Die Menschenrechte betrachtete er als Arbeitsergebnis der bürgerlichen Gesellschaft, das im Einklang mit dem Recht auf Eigentum stehen müsse. Burke verstand die Funktion von Märkten und Preisen, wusste aber auch, dass die reine Lehre in der Politik schwer aufrechtzuerhalten sei. "Sie, Dr. Smith [gemeint war Freund Adam Smith, HB], mögen von ihrem Professoren-Lehrstuhl aus Theorien über die Freiheit des Handels verkünden, als ob Sie über reine Mathematik Vorlesungen hielten; aber die Gesetzgeber müssen in langsamen Schritten vorgehen, eingeschränkt durch das Aneinanderreihen von Interessen und [...] Vorurteilen." Burke war kein systematischer Denker, aber ein kluger Kopf und blendender Stilist.
Der Autor ist Forschungsleiter der SMC University Wien






